Warum das Vertrauen in Staat und Medien schwindet – und was das für die Demokratie bedeutet
Edmund HeckerWarum das Vertrauen in Staat und Medien schwindet – und was das für die Demokratie bedeutet
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum das Vertrauen in zentrale Institutionen bröckelt. In seinem neuesten Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie sich Menschen vom Staat, den Gerichten, der Wissenschaft und den Medien abwenden. Seine Forschung zeigt: Dieser Vertrauensverlust befeuert den Aufstieg populistischer Bewegungen und verändert die politischen Landschaften nachhaltig.
El-Mafaalani argumentiert, dass sich Misstrauen nicht zufällig verbreitet. Vielmehr suchen skeptische Menschen gezielt Gleichgesinnte, die ihre Zweifel teilen. Diese Gruppen, die er als "Gemeinschaften des Misstrauens" bezeichnet, bestärken sich gegenseitig in ihren Überzeugungen und lehnen traditionelle Autoritäten ab. Digitale Plattformen ermöglichen es diesen Netzwerken heute leichter denn je, sich zu vernetzen und zu organisieren.
Populistische Strategen nutzen diese Dynamik gezielt aus. Indem sie das Vertrauen in Institutionen untergraben, schaffen sie Raum für Bewegungen wie die "Alternative für Deutschland" (AfD). Die 2013 als Anti-Euro-Protestpartei gegründete AfD vertrat zunächst liberal-konservative Positionen, vollzog nach der Flüchtlingskrise 2015 jedoch einen radikalen Kurswechsel. 2017 zog sie mit 92 Sitzen in den Bundestag ein und konnte seither in Landesparlamenten weiter zulegen. Heute steht sie unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, der Teile der Partei als rechtsextrem einstuft.
El-Mafaalani warnt: Gelangt eine rechtspopulistische Partei wie die AfD erst einmal an die Macht, lässt sie sich kaum noch als inkompetent entlarven. Ihre Anhänger, verbunden durch gemeinsames Misstrauen, weisen Kritik aus etablierten Institutionen schlicht zurück. Seine Analyse wirft auch ein Licht auf ähnliche Entwicklungen im Ausland – etwa den Aufstieg von Figuren wie Donald Trump. Das Buch legt nahe, dass ein besseres Verständnis dieser "Gemeinschaften des Misstrauens" helfen könnte, wirksamere Gegenstrategien zum Populismus zu entwickeln.
Die Studie zeigt, wie sich Misstrauen selbst verstärkt: Je mehr Menschen den Glauben an demokratische Institutionen verlieren, desto eher wenden sie sich Parteien zu, die die liberale Demokratie selbst ablehnen. El-Mafaalanis Arbeit unterstreicht die Dringlichkeit, neue Wege zu finden, um das Vertrauen wiederherzustellen – bevor populistische Bewegungen ihre Macht weiter festigen.






