13 March 2026, 14:22

Paderborns Kirche gesteht 489 Missbrauchsfälle und systemisches Versagen ein

Ein Buch mit Bildern und Texten, das die Geschichte der katholischen Kirche beschreibt, einschließlich Bilder von ihren Räumen, Fluren und erhaltenen Artefakten.

Bischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Paderborns Kirche gesteht 489 Missbrauchsfälle und systemisches Versagen ein

Das Erzbistum Paderborn hat 489 Fälle sexuellen Missbrauchs zwischen 1941 und 2002 aufgedeckt. Eine neue Studie identifizierte 210 beschuldigte Täter, woraufhin Bischof Udo Markus Bentz eine öffentliche Entschuldigung aussprach. Er räumte das institutionelle Versagen der Kirche ein und bat die Opfer um Vergebung.

Der Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche war erstmals 2010 ans Licht gekommen. Seither hat das Erzbistum Paderborn Schritte unternommen, um die Vergangenheit aufzuarbeiten. Eine unabhängige Kommission wurde eingerichtet, die Ergebnisse wurden veröffentlicht, und Anlaufstellen für Betroffene wurden geschaffen. Im Vergleich zu anderen Bistümern führte Paderborn früher Entschädigungszahlungen an Opfer ein und informierte häufiger über Fortschritte – auch wenn Opferverbände die Entwicklungen als zu langsam kritisieren.

Bisher wurden nach Angaben von Donnerstag 93 Millionen Euro an Entschädigungen an Betroffene ausgezahlt. Bischof Bentz bezeichnete die Studienergebnisse als Zeichen eines systemischen Versagens. Seine Entschuldigung wurde von Reinhold Harnisch, Sprecher des Opferverbandes, begrüßt, der sie als Schritt zur Wiederherstellung der Würde der Betroffenen wertete.

Der Bericht wirft zudem Fragen zum späten Kardinal Johannes Joachim Degenhardt auf. Es gibt Vorwürfe, er und sein Vorgänger, Kardinal Lorenz Jaeger, könnten Missbrauch vertuscht haben. Thomas Wendland, der Missbrauchsbeauftragte des Bistums, präzisierte, dass eine nicht damit zusammenhängende Äußerung über Degenhardt kurz vor Veröffentlichung der Studie gefallen sei. Harnisch unterstützte Forderungen, Straßen umzubenennen, die nach den beiden Kardinälen benannt sind.

Das Erzbistum hat zugesagt, die Ermittlungen zu vertiefen, insbesondere zur Rolle Degenhardts. Betroffene fordern weiterhin umfassende Aufklärung und schnellere Maßnahmen.

Das Erzbistum Paderborn steht nun unter wachsendem Druck, Konsequenzen aus den Studienergebnissen zu ziehen. Die Umbenennung von Straßen, die mit den beschuldigten Kardinälen in Verbindung stehen, wird weiterhin diskutiert. Unterdessen bekräftigte die Kirche ihr Bekenntnis zu Transparenz und weiteren Untersuchungen der Vergangenheit.

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