19 March 2026, 16:27

NRW-Psychotherapeut:innen protestieren gegen drohende Honorarkürzungen ab 2026

Blauer Hintergrund mit wei├čer Schrift und einem wei├čem Kreis-Logo, das eine vorgeschlagene Regel zur St├Ąrkung der psychischen Gesundheit umrandet.

NRW-Psychotherapeut:innen protestieren gegen drohende Honorarkürzungen ab 2026

Psychotherapeut:innen in Nordrhein-Westfalen (NRW) bereiten sich auf Proteste gegen geplante Honorarkürzungen vor

Am kommenden Donnerstag wollen Psychotherapeut:innen in ganz Nordrhein-Westfalen gegen geplante Kürzungen ihrer Vergütungssätze demonstrieren. Die Senkungen, die ab 2026 in Kraft treten sollen, lösen Besorgnis aus: Experten warnen vor einer weiteren Verschlechterung des Zugangs zu psychotherapeutischer Versorgung für Patient:innen, die auf gesetzliche Krankenversicherungen angewiesen sind. Viele Therapeut:innen könnten sich künftig vermehrt Privatpatient:innen zuwenden – mit der Folge, dass Versicherte in der gesetzlichen Krankenkasse noch längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.

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Ab dem 1. April 2026 planen die Krankenkassen, die Erstattungssätze für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent zu kürzen. Diese Maßnahme vertieft die bestehende Einkommenslücke zwischen Privat- und Kassenpatient:innen und macht die Arbeit im öffentlichen System für viele Behandler:innen noch unattraktiver. Bereits jetzt belaufen sich die Kosten für einen Kassensitz – die Zulassung, die für die Behandlung von gesetzlich Versicherten erforderlich ist – auf bis zu 50.000 Euro. Diese finanzielle Hürde begrenzt bereits die Zahl der verfügbaren Therapeut:innen.

Die finanzielle Belastung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland laut Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und des Sozialverbands VDK aus dem Jahr 2023 einen Mangel von etwa 7.000 Kassensitzen verzeichnet. Besonders betroffen sind ländliche Regionen wie Teile Baden-Württembergs sowie Großstädte wie Köln, wo veraltete Planungsstrukturen und Finanzierungslücken die Versorgungslage zusätzlich verschärfen. Allein in NRW warten Patient:innen im Schnitt bereits fünf Monate auf einen Ersttermin.

Dass Psychotherapeut:innen in NRW zu den am schlechtesten bezahlten medizinischen Fachkräften zählen, verschärft die Situation weiter. Als Reaktion darauf finden diese Woche Kundgebungen in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Bielefeld statt. Die Organisator:innen argumentieren, dass weitere Kürzungen noch mehr Behandler:innen aus dem öffentlichen System drängen könnten – mit der Folge, dass sich Wartezeiten verlängern und die Behandlungsmöglichkeiten für gesetzlich Versicherte weiter schrumpfen.

Die geplanten Honorarkürzungen treffen die Branche in einer Phase, in der sie bereits mit hohen Zulassungskosten und einem eklatanten Mangel an kassenfinanzierten Therapieplätzen kämpft. Bei aktuellen Wartezeiten von fünf Monaten und steigender Tendenz könnte die Reform noch mehr Therapeut:innen dazu bewegen, sich auf Privatpatient:innen zu konzentrieren – zum Nachteil derer, die auf die gesetzliche Krankenversicherung angewiesen sind. Die Proteste dieser Woche unterstreichen die Sorge, dass psychotherapeutische Versorgung in NRW künftig noch schwerer zugänglich sein könnte.

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