Illegale Sondermüll-Entsorgung: Kriminelles Netzwerk in NRW aufgedeckt
Walburga HornigIllegale Sondermüll-Entsorgung: Kriminelles Netzwerk in NRW aufgedeckt
Langjährige Ermittlungen in Nordrhein-Westfalen decken kriminelles Netzwerk zur illegalen Entsorgung von Sondermüll auf
Die Behörden haben nach monatelangen Untersuchungen einen 63-jährigen Abfallhändler aus Unna angeklagt, der in ein kriminelles Netzwerk zur illegalen Entsorgung von gefährlichen Abfällen verwickelt sein soll.
Der Beschuldigte sitzt seit Oktober vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, illegale Mülldeponien betrieben, mit gefährlichen Stoffen unsachgemäß umgegangen und organisierten Betrug begangen zu haben. In seiner Vorstrafe findet sich die illegale Entsorgung von 25.000 Tonnen Ölpellets in einer Tongrube in Schermbeck zwischen 2010 und 2013.
Seit Januar 2024 sollen der Verdächtige und seine Komplizen gefährliche Abfälle angenommen, vermischt und umetikettiert haben, bevor sie diese an unerlaubten Orten ablagerten. Rund 23.000 Tonnen belastete Erde wurden illegal auf einem Gewerbegebiet in Selfkant nahe der niederländischen Grenze entsorgt. Eine ähnliche Menge soll in Kiesgruben in Kamp-Lintfort abgeladen worden sein.
Bei einer Razzia beschlagnahmten Beamte 120.000 Euro in bar, 200 Gramm Gold und weitere Wertgegenstände aus dem Auto des Verdächtigen. Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass mehrere Entsorgungs-, Transport- und Baufirmen mit dem Netzwerk in Verbindung stehen könnten. Bisher wurden jedoch keine konkreten Unternehmen offiziell belastet.
Unterdessen verschärft die Stadt Gelsenkirchen die Vorschriften zur Abfallentsorgung. Nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz tragen Hersteller und Lieferanten künftig eine größere Verantwortung für die ordnungsgemäße Entsorgung von Abfällen.
Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Umweltkriminalität des Landes hat nun den ersten Beschuldigten offiziell angeklagt. Der Fall unterstreicht die anhaltenden Bemühungen, gegen illegale Mülloperationen in der Region vorzugehen. Die Ermittlungen zu den weiteren Verstrickungen des Netzwerks laufen noch.