EU-Saatgutverordnung bedroht biologische Vielfalt und kleine Erzeuger in Deutschland
Edmund HeckerEU-Saatgutverordnung bedroht biologische Vielfalt und kleine Erzeuger in Deutschland
Ein geplanter EU-Saatgutverordnung wirft bei kleinen Erzeugern und Saatgutbibliotheken in ganz Deutschland Besorgnis auf. Das noch in Verhandlung befindliche Gesetz könnte strenge Zertifizierungsvorschriften und hohe Gebühren einführen – mit potenziell gravierenden Folgen für seltene Pflanzensorten und die Existenz unabhängiger Produzenten. Gärtnerinnen wie Anne Mommertz aus Düsseldorf warnen, dass die biologische Vielfalt selbst auf dem Spiel stehe, sollten die Änderungen umgesetzt werden.
Die überarbeitete Verordnung wird seit Februar 2026 diskutiert, mit Beteiligung der Europäischen Kommission, des Parlaments und des Rates der Mitgliedstaaten. Wird sie verabschiedet, müssten Saatguthändler teure Zertifizierungen vorweisen – was viele kleine Anbieter in den Ruin treiben könnte. Viele dieser Lieferanten arbeiten als Ein-Personen-Betriebe und sind oft auf regionalen Saatgutfestivals in Städten wie Düsseldorf präsent. Ohne sie droht Hobbygärtnern der Zugang zu Nischensorten verloren zu gehen, während nur noch standardisiertes Saatgut großer Industriekonzerne übrig bliebe.
Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss setzen bereits auf den Erhalt der Vielfalt, indem sie Samen kostenlos verleihen. Claudia Neufurth von der Stadtbibliothek Neuss verzeichnet eine hohe Nachfrage nach bestimmten Sorten bei heimischen Gärtnern. Anne Mommertz hingegen tauscht Samen mit anderen Züchtern aus – eine Praxis, die auch unter den neuen Regeln legal bliebe. Dennoch fürchtet sie, dass viele seltene Pflanzen langfristig verschwinden könnten, wenn die Verordnung das Angebot an Saatgut verringert.
Die finanziellen Belastungen durch das Gesetz könnten kleine Produzenten zur Aufgabe zwingen und so die Versorgung mit traditionellen und biologischen Sorten unterbrechen. Regionen wie Bayern, bekannt für Veranstaltungen wie das Münchner Saatgutfest, könnten weniger unabhängige Anbieter erleben. Ohne diese Betriebe dürfte es für Gärtner schwieriger werden, die vielfältigen, historischen oder seltenen Sorten zu finden, auf die sie heute zurückgreifen.