Vonovia fordert radikale Reform der Mietpreisbremse – trotz Rekordgewinnen
Edmund HeckerVonovia-Chef fordert Reform der Mietpreisbremse - Vonovia fordert radikale Reform der Mietpreisbremse – trotz Rekordgewinnen
Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia fordert grundlegende Reform der Mietpreisbremse
Vonovia, Deutschlands größter Wohnungsanbieter, hat eine umfassende Überarbeitung der Mietpreisregulierung gefordert. Vorstandsvorsitzender Rolf Buch kritisierte das aktuelle System als unwirksam im Schutz bedürftiger Mieter und als Mitverursacher der verschärften Wohnungsnot. Seine Äußerungen fielen mit der Vorstellung starker Finanzkennzahlen des Unternehmens für das Jahr 2022 zusammen.
Die 2015 eingeführte Mietpreisbremse sollte in Ballungsräumen übermäßige Mietsteigerungen bremsen, indem sie Neuvermietungen auf maximal zehn Prozent über dem ortsüblichen Durchschnitt begrenzt. Doch Buch argumentiert, die Regelung schade mittlerweile genau den Menschen, die sie eigentlich entlasten solle.
Unter seiner Führung wuchs Vonovia durch Übernahmen – darunter Gagfah, Buwog und Deutsche Wohnen – zum größten Immobilienkonzern Deutschlands. In den ersten neun Monaten 2022 verzeichnete das Unternehmen einen deutlichen Gewinnsprung: Der Nettogewinn kletterte auf rund 3,4 Milliarden Euro – ein markanter Umschwung gegenüber einem Verlust von 592 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Treiber waren höhere Mieteinnahmen, Zusatzdienstleistungen und Immobilienverkäufe.
Die durchschnittliche Kaltmiete bei Vonovia stieg bis Ende September 2022 auf 8,28 Euro pro Quadratmeter – ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber 2021 und damit leicht über dem bundesweiten Durchschnitt von 8,11 Euro. Buch plädierte dafür, die Mietpreisbremse so umzugestalten, dass sozial Schwache geschützt werden, während für andere Mieter marktgerechte Preise möglich bleiben.
Gleichzeitig gab das Unternehmen seinen Rückzug bekannt: Zum Jahresende übernimmt Luka Mucic, ehemaliger SAP-Manager und aktueller Vodafone-Finanzvorstand, die Geschäftsführung. Vonovias Forderung nach Reformen spiegelt die wachsende Debatte wider, wie Mietregulierungen Mieter und Wohnungsmarkt gleichermaßen beeinflussen. Der neue Vorstand wird vor der Herausforderung stehen, Profitabilität mit sozialer Verantwortung in Einklang zu bringen – während die Diskussion um faire Mietpreise in Deutschland angesichts anhaltend hoher Nachfrage nach Wohnraum weiter an Fahrt aufnimmt.






