"Ringel, Ringel, Reihe": Warum dieser Kinderreim so geheimnisvoll bleibt
Lia Römer"Ringel, Ringel, Reihe": Warum dieser Kinderreim so geheimnisvoll bleibt
„Ringel, Ringel, Reihe“ – ein Kinderreim mit rätselhafter Herkunft
Der Kinderreim „Ringel, Ringel, Reihe“ gibt seit langem Rätsel über seine Ursprünge und Bedeutung auf. Es existieren zahlreiche Varianten mit unterschiedlichen Texten, was seine Geschichte unklar macht. Manche vermuten düstere Bezüge zu historischen Seuchen – doch Belege dafür fehlen.
Die früheste bekannte gedruckte Fassung des Reims auf Englisch stammt aus dem Jahr 1881. Damit ist unwahrscheinlich, dass er, wie manchmal behauptet, Jahrhunderte älter ist. Die These, er beziehe sich auf die Große Pest von London 1665, tauchte erst 1961 auf – ohne stichhaltige Beweise.
Einige Deutungen knüpfen die Zeilen an die Beulenpest: „Rosen“ sollen demnach den Ausschlag symbolisieren, „Täschchen“ (im Original „posies“) schützende Kräuter und „alle fallen“ den Tod. Andere sehen Verbindungen zum Schwarzen Tod im 14. Jahrhundert, wobei „Asche“ auf die damals in England verbotene Leichenverbrennung hindeuten könnte.
Wahrscheinlicher jedoch ist, dass der Reim als einfaches Kinderspiel entstand. Seine Wurzeln könnten im Deutschland des 18. Jahrhunderts liegen oder in den „play-parties“, geselligen Sing- und Bewegungsspielen, die unter Jugendlichen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert beliebt waren. Die Worte dürften weniger eine tiefe Bedeutung tragen als vielmehr wegen ihres eingängigen, nonsenshaften Klangs gewählt worden sein.
Trotz aller Spekulationen wurde der Reim wohl schlicht als unterhaltsames Spiel für Kinder erfunden. Ein nachweisbarer Bezug zu historischen Seuchen oder düsterer Symbolik existiert nicht. Seine anhaltende Beliebtheit verdankt er vermutlich seinem einfachen, verspielt-heiteren Charakter.






