Regionalverkehr in der Krise: Warum Bahnbetreiber um ihre Zukunft kämpfen
Edmund HeckerRegionalverkehr in der Krise: Warum Bahnbetreiber um ihre Zukunft kämpfen
Die Zukunft des günstigen Schienenverkehrs in Deutschland ist bis 2030 gesichert – ab 2027 sind jedoch schrittweise Preisanpassungen geplant. Gleichzeitig geraten regionale Bahnbetreiber durch steigende Kosten und veraltete Finanzierungsmodelle zunehmend unter finanziellen Druck. Ein entscheidendes Gerichtsurteil im kommenden Jahr könnte die wirtschaftliche Landschaft der Branche zusätzlich verändern.
Seit der Privatisierung der ehemaligen Bundes- und Landesbahnen in eine Aktiengesellschaft werden die Regionalverkehre in Deutschland von den Bundesländern organisiert. Doch die Finanzierung dieser Leistungen konnte mit der Inflation nicht Schritt halten, was die Betreiber in die Zange nimmt. Bereits 2021 warnte Abellio, eine Tochter der niederländischen Staatsbahn, dass ihre deutsche Sparte aufgrund explodierender Ausgaben in die Insolvenz rutschen könnte.
Alle Züge auf Bundesstrecken zahlen Infrastrukturgebühren, wobei Regionalverkehre derzeit von einer gedeckelten Abgabe profitieren. Diese Obergrenze könnte jedoch bald entfallen: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) wird voraussichtlich bis Mitte 2026 über deren Rechtmäßigkeit entscheiden. Sollte die Deckelung wegfallen, würden die Mautgebühren für Regionalbetreiber stark steigen und ihre Fixkosten weiter in die Höhe treiben.
Die finanzielle Belastung ist bereits spürbar. Der private Anbieter National Express in Nordrhein-Westfalen stellte kürzlich den Betrieb auf der Strecke Aachen–Hamm ein, nachdem keine Einigung mit dem Land über bessere Konditionen zustande kam. Verschärft wird das Ungleichgewicht dadurch, dass Busse – anders als Züge – keine Maut zahlen und damit einen klaren Kostenvorteil genießen.
Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, kaufen oder leasen staatliche Unternehmen Züge an Regionalbetreiber. Doch ohne höhere Subventionen oder fairere Gebühren drohen dem System weitere Störungen.
Das Deutschland-Ticket bleibt mindestens bis 2030 erhalten, wobei die Preise ab 2027 an die Inflation gekoppelt werden. Dennoch bestehen die grundlegenden Herausforderungen für den Regionalverkehr fort. Die Betreiber warten nun auf die EuGH-Entscheidung zu den Trassengebühren, die sie zu weiteren Kostensenkungen zwingen – oder manche sogar ganz aus dem Markt drängen könnte.






