16 March 2026, 18:31

Pflegekosten in Deutschland explodieren – Familien am Limit und Reform in Sicht

Eine Frau hält ein Baby im Arm, beide strahlen, mit einem Plakat dahinter, das 'Mütterrenten: Über 20 Staaten helfen, das Zuhause zu bewahren' lautet.

Pflegekosten in Deutschland explodieren – Familien am Limit und Reform in Sicht

Die Kosten für die Langzeitpflege in Deutschland steigen weiter an und belasten die Finanzen vieler Familien stark. Zwar erhalten die meisten Pflegebedürftigen Unterstützung zu Hause, doch die Eigenbeteiligung kann monatlich mehrere tausend Euro betragen. Angesichts der zunehmenden Unerschwinglichkeit von ambulantem und stationärem Pflegeangebot mehren sich nun die Forderungen nach einer Reform.

Nach deutschem Recht hat die häusliche Pflege Vorrang – so sieht es Paragraf 3 des Elften Buchs Sozialgesetzbuch (SGB XI) vor. Dieses Prinzip soll es Pflegebedürftigen ermöglichen, in vertrauter Umgebung zu bleiben, unterstützt von Angehörigen oder professionellen Pflegekräften. Aktuell werden 85,9 % der Betroffenen zu Hause versorgt, wobei mehr als die Hälfte (54,5 %) ausschließlich auf die Hilfe von Familienmitgliedern angewiesen ist.

Angehörige leisten dabei oft umfangreiche Pflegearbeit: Im Schnitt widmen sie 49 Stunden pro Woche der Betreuung, ein Viertel sogar mindestens 57 Stunden. Dennoch bleibt die finanzielle Belastung hoch. Die monatlichen Eigenanteile für die häusliche Pflege liegen zwischen 340 und 7.441 Euro, im Median bei 2.085 Euro – Kosten, die von der Pflegeversicherung nicht übernommen werden. Bei schwerer Pflegebedürftigkeit können die Ausgaben sogar über 7.000 Euro im Monat betragen.

Auch die stationäre Pflege ist kaum erschwinglicher. 2024 zahlten Neuzugänge in Pflegeheimen im Schnitt 2.907 Euro monatlich aus eigener Tasche, wobei die Kosten im Laufe der Zeit steigen. Bis 2026 kletterte der durchschnittliche Eigenanteil auf über 3.200 Euro pro Monat. Dennoch leben nur 14,1 % der Pflegebedürftigen dauerhaft in vollstationären Einrichtungen.

Der Bundesverband der Angehörigenpflegenden ("wir pflegen" e.V.) warnt vor der wachsenden finanziellen Überlastung der Haushalte. Als Reaktion darauf plant die Bundesregierung, bis Ende 2026 eine Pflegereform abzuschließen. Ziel ist ein bezahlbareres und nachhaltigeres System für alle.

Das aktuelle System zwingt viele Familien zu hohen Eigenleistungen – egal, ob sie sich für die Pflege zu Hause oder im Heim entscheiden. Mit den für Ende 2026 erwarteten Reformen soll die finanzielle Belastung gelindert werden. Bis dahin bleibt die Mehrheit der Pflegebedürftigen auf die Unterstützung ihrer Angehörigen angewiesen, trotz der steigenden Kosten.

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