Oktoberfest in München: Traum für Touristen, Albtraum für Anwohner wie Martin Stanek
Aldo RömerOktoberfest in München: Traum für Touristen, Albtraum für Anwohner wie Martin Stanek
Für Martin Stanek ist das Leben in der Nähe des Münchner Oktoberfests eine zwiespältige Erfahrung. Das jährliche Volksfest, das bei den Einheimischen einfach nur Wiesn genannt wird, bringt zwar Begeisterung mit sich, aber auch Frust. Zwar schätzt er die lebhafte Atmosphäre des Festes, doch das Chaos, das damit einhergeht – betrunkene Besucher, Lärm und Müll – macht ihm und seiner Familie den Alltag schwer.
Das Oktoberfest dauert offiziell etwa 16 Tage pro Jahr, in der Regel von Ende September bis Anfang Oktober. Es lockt jährlich zwischen 6 und 6,5 Millionen Besucher an. Im Laufe der Zeit haben die Veranstalter strengere Regeln eingeführt, darunter Klagen gegen illegale, überteuerte Tischreservierungen und spezielle Sicherheitsmaßnahmen wie Brandschutzteams. Initiativen wie Sichere Wiesn setzen sich zudem für den Schutz vor sexualisierter Gewalt ein.
Stanek, der in Interviews seinen echten Namen nicht nennen möchte, wohnt seit Jahren in der Nähe der Theresienwiese. Während des Festes findet er oft betrunkene Feiernde auf Gehwegen liegend oder sogar taumelnd in seinem Wohnhaus vor. Einige Besucher richten Sachschäden an – sie reißen Blumenkübel heraus oder zerschlagen Glasflaschen. Am schlimmsten seien jedoch Vorfälle, bei denen Menschen direkt vor seiner Haustür urinieren oder ihren Kot hinterlassen, erzählt er.
Trotz aller Beeinträchtigungen gibt Stanek zu, dass ihn nach dem Ende des Festes mitunter Wehmut überkommt. Der erste Montag nach der Wiesn fühle sich immer wie eine Erlösung an. Über die Jahre hinweg hat er Prominente wie die Kaulitz-Brüder gesichtet, aber auch betrunkene Fußballer und Wirte, die das Treiben genossen.
Sein größter Wunsch? Mehr Kontrolle durch Polizei und Stadtverantwortliche. Er ist überzeugt, dass eine konsequentere Überwachung rücksichtsloses Verhalten eindämmen könnte – etwa Taxis, die illegal durch Wohnstraßen fahren.
Das Oktoberfest bleibt ein Magnet für München und zieht Millionen Besucher sowie weltweites Interesse auf sich. Doch für Anwohner wie Stanek bringen die Schattenseiten des Events – Lärm, Vandalismus und öffentliche Trunkenheit – echte Herausforderungen mit sich. Er hofft, dass künftige Feste den Spagat zwischen Feierlaune und Respekt vor denen schaffen, die hier zu Hause sind.