16 March 2026, 12:31

Düsseldorfer Kunststreit: Antisemitismus-Vorwürfe spalten Akademiewelt und Politik

Eine Gruppe maskierter Personen mit Schildern und Protesten vor einem gl├Ąserne W├Ąnde aufweisenden Geb├Ąude, mit Kameras, Texttafeln und einem Hund.

Offener Brief Warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Düsseldorfer Kunststreit: Antisemitismus-Vorwürfe spalten Akademiewelt und Politik

In Düsseldorf ist eine hitzige Debatte über die künstlerische Freiheit entbrannt, nachdem die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif des Antisemitismus beschuldigt wurde. Der Streit begann im Januar 2026 und führte zu Drohungen, Forderungen nach Absagen sowie Rücktrittsaufrufen gegen die Rektorin der Kunstakademie Düsseldorf, Donatella Fioretti. Nun haben über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturprominente einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie Fioretti verteidigen und vor politischer Einmischung in die Hochschulen warnen.

Auslöser des Konflikts war ein geplanter Auftritt al-Sharifs an der Kunstakademie, der wegen ihrer Beiträge in sozialen Medien für Empörung sorgte. Kritiker:innen, darunter Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) und jüdische Organisationen, forderten die Absage der Veranstaltung sowie Fiorettis Rücktritt. Eine Petition sammelte über 700 Unterschriften, während sich auch Politiker:innen wie Mona Neubaur (Grüne) der Kritik anschlossen.

Nach einer rechtlichen Prüfung wurden al-Sharifs Äußerungen zwar als von der Meinungsfreiheit gedeckt eingestuft, doch fand die Veranstaltung aufgrund von Sicherheitsbedenken nur im internen Rahmen statt. Bis zum 16. März 2026 unterzeichneten dann namhafte Persönlichkeiten – darunter der Fotograf Wolfgang Tillmans, die Philosophin Susan Neiman und die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger – einen öffentlichen Brief, der den politischen Druck auf Fioretti scharf verurteilte. Die Unterzeichnenden beriefen sich auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der auch kontroverse Standpunkte schütze, und warnten, die gegen Fioretti gerichtete Rhetorik erinnere an die Argumentationsmuster der rechtspopulistischen AfD.

Kritik übte der Brief zudem an einer Formulierung des Wissenschaftsausschusses von Nordrhein-Westfalen, die grundlegende Freiheitsrechte pauschal unter Generalverdacht stelle. Angesichts von Fiorettis anstehender Anhörung vor einer Sonderkommission des Landtags in dieser Woche betonten die Unterzeichnenden, dass politische Einflussnahme auf akademische und künstlerische Einrichtungen ein gefährliches Präzedenzfall sei.

Der offene Brief unterstreicht die breite Unterstützung für Fioretti und das Prinzip der freien Meinungsäußerung in deutschen Kultureinrichtungen. Die Auseinandersetzung zeigt die Spannungen zwischen politischer Aufsicht und dem Schutz künstlerischer sowie akademischer Freiheit auf. Fiorettis bevorstehende Aussage wird die Debatte voraussichtlich weiter in der Öffentlichkeit halten.

Quelle