Deutsche Unternehmen scheitern an der digitalen Souveränität – trotz großer Pläne
Lia RömerDeutsche Unternehmen scheitern an der digitalen Souveränität – trotz großer Pläne
Neue Studie offenbart Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Deutsche Unternehmen und die digitale Souveränität
Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Zwischen dem Anspruch und der Umsetzung digitaler Souveränität klafft in deutschen Unternehmen eine große Lücke. Zwar halten 92 Prozent der Firmen das Thema für wichtig – doch nur ein kleiner Teil verfügt über konkrete Pläne. Dies geht aus dem Digital-Souveränitäts-Index (DSI) hervor, einer gemeinsamen Studie der Beratungsfirma Adesso und des Handelsblatt Research Institute.
Laut der Erhebung setzen die meisten Unternehmen bei kritischen Technologien wie Cloud-Diensten, Software und KI auf nicht-europäische Anbieter. Trotz dieser Abhängigkeit haben erst 13 Prozent digitale Souveränität in ihre Unternehmensstrategie integriert. Stattdessen überlassen 46 Prozent das Thema ihren IT-Abteilungen, wo der Fokus oft auf Cloud-Infrastruktur und Sicherheit beschränkt bleibt.
Nur jedes vierte Unternehmen verankert die Verantwortung für digitale Souveränität auf Vorstandsebene. Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, warnte, dass viele Firmen die strategische Bedeutung des Themas unterschätzen. Zwar streben die Unternehmen im Schnitt einen Souveränitätsgrad von 77,8 Prozent an – eine vollständige Unabhängigkeit sei jedoch nicht das Ziel.
Die Studie zeigt zudem eine grundsätzliche Investitionsbereitschaft in souveräne Lösungen: Im Durchschnitt wären 80 Prozent der Befragten bereit, einen Aufpreis von etwa 17 Prozent für Technologien zu zahlen, die die Abhängigkeit vom Ausland verringern. Dennoch liegt der aktuelle Reifegrad der digitalen Souveränität in der deutschen Wirtschaft bei nur 65,8 Prozent.
Die Ergebnisse verdeutlichen einen klaren Widerspruch: Hohe Sensibilität für das Thema steht einer geringen Umsetzung gegenüber. Zwar äußern Unternehmen großes Interesse daran, ihre Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu reduzieren – doch strukturierte Strategien oder klare Verantwortlichkeiten auf Führungsebene fehlen meist. Die Studie legt nahe, dass es eines stärkeren Engagements der Vorstände und gezielter Investitionen in souveräne Alternativen bedarf.






