Der tragische Einsturz des Kölner Stadtarchivs und seine Folgen bis heute
Aldo RömerDer tragische Einsturz des Kölner Stadtarchivs und seine Folgen bis heute
Eine der verheerendsten Katastrophen Kölns ereignete sich 2009, als das historische Stadtarchiv in eine Baugrube für die neue U-Bahn-Linie stürzte. Das Gebäude beherbergte 1,7 Millionen Dokumente, einige davon über tausend Jahre alt. Bei dem Unglück kamen zwei Menschen ums Leben, und die Stadt trug eine bleibende Narbe in ihrer Infrastruktur davon.
Der Einsturz geschah während der Bauarbeiten für die Nord-Süd-Stadtbahn, ein Projekt unter der Aufsicht der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB). Obwohl die KVB keine Erfahrung mit derart großflächigen Ausgrabungen hatte, leitete sie die Baustelle. Vor der Katastrophe waren entscheidende Stahlträger gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden – die Statik des Gebäudes war damit fatally geschwächt.
Als der Boden nachgab, bildete sich ein gewaltiger Krater, der das Archiv verschluckte und benachbarte Häuser beschädigte. Zwei junge Männer starben in ihren Wohnungen, als der Boden unter ihnen wegbrach. Rettungskräfte verbrachten Monate damit, durch Schutt und zerrissene Papiere zu sieben; einige Dokumente wurden erst 2010 geborgen.
2018 verurteilte ein Gericht den Bauleiter und den verantwortlichen Projektleiter zu Bewährungsstrafen wegen ihrer Mitverantwortung am Einsturz. Die Baustelle selbst ist bis heute unvollendet – 2023 war sie nur teilweise verfüllt. Die Stadtbahn, deren Fertigstellung nun weitere acht Jahre dauern soll, wird nach ihrer Inbetriebnahme ganze acht Minuten Fahrzeit einsparen.
Die Faszination für die Katastrophe hält bis heute an. 2022 präsentierte der Künstler Reinhard Matz Klagelied in acht Tafeln, eine Installation an der Bauzäunen, die den Einsturz und seine Folgen darstellt.
Der Kollaps des Kölner Stadtarchivs hinterließ ein dauerhaftes Mal in der Stadtgeschichte und ihrer Infrastruktur. Juristische Konsequenzen folgten, doch das U-Bahn-Projekt schleppte sich weiter hin – die Fertigstellung liegt noch in weiter Ferne. Die Baustelle bleibt unterdessen ein sichtbares Mahnmal für die anhaltenden Folgen der Tragödie.






