08 June 2026, 22:24

Apotheker kämpft um Existenz nach 90.000-Euro-Rückforderung durch die AOK

90.000 Euro Strafe: 'Wir Hätten Die Tabletten Zählen Sollen'

Apotheker kämpft um Existenz nach 90.000-Euro-Rückforderung durch die AOK

Dr. Christian Fehske, Inhaber der Rathaus-Apotheke in Hagen, sieht sich mit einer finanziellen Rückforderung von knapp 90.000 Euro konfrontiert. Die Krankenkasse AOK Nordwest wirft ihm vor, gegen die deutsche Apothekenbetriebsordnung verstoßen zu haben, indem er einem Patienten übermäßig Medikamente abgegeben habe. Der Streit hat sich mittlerweile zu einem zermürbenden Rechtsstreit ausgeweitet, der Fehskes Existenz als Apotheker und seine berufliche Motivation gefährdet.

Im Mittelpunkt des Falls stehen zwei separate Rezepte für das teure Medikament Idhifa, die an denselben Patienten ausgehändigt wurden. Die AOK Nordwest argumentiert, Fehske hätte die Rezepte vorab prüfen müssen, um eine „unwirtschaftliche Überverschreibung“ zu vermeiden. Die Kasse wirft ihm vor, er habe weder die Tabletten gezählt noch vorab Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt gehalten.

Fehske hat die Rückforderung gerichtlich angefochten und betont, dass die Rückzahlung von über 87.000 Euro die Jahresbilanz seiner Apotheke schwer belastet. Doch sein Rechtskampf zieht sich hin – aufgrund der langsamen Verfahren vor den Verwaltungsgerichten ist nicht vor 2028 mit einer mündlichen Verhandlung zu rechnen.

Die finanzielle Belastung geht auch an Fehske nicht spurlos vorbei. Er gibt offen zu, dass die Rückforderung seine Motivation erschüttert habe und es ihm zunehmend schwerfalle, Freude an seiner Arbeit zu finden – trotz der ohnehin schon bestehenden Herausforderungen. Hinzu kommen Risiken durch Zahlungsausfälle privatversicherter, verstorbener Kunden, die die Existenz seiner Apotheke zusätzlich bedrohen.

Unterdessen wurde der Fall in einer Anhörung des Landtages von Nordrhein-Westfalen behandelt. Sowohl die Krankenkasse als auch ihre Aufsichtsbehörde verteidigten die Rückforderung und bestanden darauf, dass sie nach geltendem Recht gerechtfertigt sei. Der Druck solcher Auseinandersetzungen hat sogar eine Pharmazeutisch-technische Assistentin dazu bewegt, ihren Job aufzugeben und in die besser bezahlte Rückforderungsabteilung einer Krankenkasse zu wechseln.

Während Fehskes Apotheke jahrelang auf eine gerichtliche Klärung wartet, lastet die finanzielle Bürde schwer auf seinem Betrieb. Der Fall verdeutlicht die grundsätzlichen Spannungen zwischen Apotheken und Krankenkassen bei der Rezeptkontrolle und Rückforderungspraxis. Für Fehske wird das Urteil darüber entscheiden, ob sich seine Apotheke von der finanziellen und beruflichen Belastung erholen kann.

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